Einleitung
Stellen Sie sich vor, Sie betreten eine Schwimmhalle und spüren sofort eine angenehme Ruhe. Das Licht fällt weich durch große Fenster, die Luft fühlt sich frisch an, und statt kalter Funktionalität umgibt Sie eine warme, einladende Atmosphäre. Genau diese Verwandlung gelingt dem Berliner Architekten Andreas Veauthier immer wieder. Er nimmt alte, oft vernachlässigte Bäder und macht daraus Orte, an denen Menschen nicht nur schwimmen, sondern sich wirklich wohlfühlen.
Andreas Veauthier hat sich auf eine Bauaufgabe spezialisiert, die viele unterschätzen: öffentliche Schwimmbäder. In einer Zeit, in der viele Hallenbäder aus den 1960er- und 1970er-Jahren dem Verfall preisgegeben sind, zeigt er, wie man mit Respekt vor der Geschichte, moderner Technik und einem feinen Gespür für Raum und Material echte Wohlfühloasen schaffen kann.
BIO
| Label | Information |
|---|---|
| Name | Andreas Veauthier |
| Geburtsjahr | 1965 |
| Geburtsort | Saarbrücken |
| Beruf | Architekt BDA |
| Studium | TU Berlin und UP6 Paris |
| Abschluss | Diplom 1994 |
| Bürogründung | 1998 in Berlin |
| Spezialisierung | Schwimmbäder und Sportbauten |
| Wichtige Partner | Veauthier Meyer Architekten (2008–2014) |
| Bekanntestes Projekt | Schwimmhalle Finckensteinallee, Berlin |
| Weitere Projekte | Stadtbad Neukölln, Stadtbad Kreuzberg, Hallenbad Niestetal |
| Mitgliedschaft | Bund Deutscher Architekten (BDA) |
| Wohnort / Büro | Berlin |
Wer ist Andreas Veauthier?
Andreas Veauthier wurde 1965 in Saarbrücken geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Universität Berlin und an der UP6 in Paris. Nach dem Diplom 1994 arbeitete er zunächst bei renommierten Büros wie Sauerbruch Hutton und Anderhalten Architekten in Berlin. 1998 gründete er sein eigenes Büro.
Früh zeigte sich seine Vielseitigkeit. Von 1998 bis 2001 war er als Kontaktarchitekt für Álvaro Siza und Eduardo Souto de Moura beim portugiesischen Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover tätig. In den folgenden Jahren spezialisierte sich sein Büro auf Bildungsbauten. Die Zusammenarbeit mit Dr. Nils Meyer im Büro Veauthier Meyer Architekten (2008–2014) brachte dann den starken Fokus auf Sport- und Bäderbauten.
Heute führt Andreas Veauthier sein Büro als Veauthier Architekt BDA und engagiert sich neben der Planung auch in Lehre und Gremienarbeit. Er war unter anderem im Beirat der Stiftung Kulturerbe Saar und lehrt an verschiedenen Hochschulen. Diese breite Erfahrung prägt seinen Ansatz: Er denkt nicht nur funktional, sondern immer auch gesellschaftlich und historisch.
Die Philosophie hinter den Bädern
Für Andreas Veauthier sind Bäder weit mehr als reine Sportstätten. Sie sind Orte der Erholung, der Begegnung und der öffentlichen Gesundheit. In einer schnelllebigen Welt bieten sie einen Gegenpol – einen „dritten Ort“ neben Wohnung und Arbeitsplatz, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen.
Seine Entwürfe verbinden drei Prinzipien: Respekt vor der vorhandenen Substanz, intelligente Lichtführung und nachhaltige Technik. Er sieht Denkmalschutz nicht als Einschränkung, sondern als Chance. Gleichzeitig achtet er darauf, dass Bäder barrierefrei, energieeffizient und für alle Altersgruppen nutzbar werden. Feuchtigkeit, Korrosion und hoher Energieverbrauch stellen bei Hallenbädern enorme Herausforderungen dar. Veauthier meistert sie mit durchdachten Materialien und moderner Gebäudetechnik, ohne die ursprüngliche Anmutung zu zerstören.
In Interviews betont er immer wieder die Bedeutung einer starken öffentlichen Hand. Nur so könne man hochwertige Bäder langfristig erhalten und für kommende Generationen sichern.
Das Highlight: Die Schwimmhalle Finckensteinallee

Eines der beeindruckendsten Projekte von Andreas Veauthier ist die Sanierung der Schwimmhalle Finckensteinallee in Berlin-Lichterfelde. Die Halle wurde 1938 eröffnet und diente zunächst der SS-Leibstandarte. Später nutzten sie die US-Alliierten, bis sie 2006 wegen Baumängeln schließen musste.
Das Gebäude mit seiner monumentalen Backsteinfassade und dem riesigen 25 x 50 Meter großen Becken war einst eines der modernsten Europas. Die Sanierung forderte Fingerspitzengefühl: Historische Reliefs, Naturstein- und Marmorflächen mussten erhalten bleiben. Gleichzeitig erneuerte das Team die komplette Technik und schuf eine neue Decke, die den großzügigen Raumeindruck der 1930er-Jahre wiederherstellt.
Das Ergebnis ist beeindruckend. Die Halle wirkt hell und einladend. Große Fensterflächen lassen Tageslicht herein, während die Materialwahl – von Keramik bis Holz – Wärme und Behaglichkeit vermittelt. 2014 wurde sie wiedereröffnet und erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter eine Anerkennung im db-Wettbewerb „Respekt und Perspektive – Bauen im Bestand“.
Dieses Projekt zeigt exemplarisch Veauthiers Herangehensweise: Er bewahrt die Geschichte, ohne sie zu romantisieren, und entwickelt sie sensibel weiter.
Weitere bedeutende Projekte
Andreas Veauthier und sein Team haben zahlreiche weitere Berliner Bäder modernisiert. Dazu gehören das Stadtbad Neukölln, das Stadtbad Kreuzberg (Baerwaldbad), die Schwimmhalle Thomas-Mann-Straße, die Schwimmhalle Hüttenweg und die Schwimmhalle Fischerinsel.
Bei der Schwimmhalle Fischerinsel, einem Typenbau aus den 1970er-Jahren, standen vor allem technische Erneuerungen und energetische Sanierung im Vordergrund. Das Dach, die Wassertechnik und die Becken wurden auf den neuesten Stand gebracht, ohne den Charakter des Gebäudes zu verlieren.
Auch beim Hallenbad Niestetal außerhalb Berlins bewies Veauthier, dass Neubauten ebenso wohltuend gestaltet sein können. In allen Projekten fällt auf, wie er mit Farben, Licht und Materialien arbeitet. Duschen und Umkleiden erhalten oft ein eigenes gestalterisches Gewicht – sie sind keine reinen Nebenräume mehr, sondern Teil des Gesamterlebnisses.
Sieben Erfolgsfaktoren seiner Bäder
Was macht die Arbeiten von Andreas Veauthier so besonders? Hier sind die wesentlichen Punkte:
- Intelligente Lichtführung: Große Fenster und sorgfältig geplante Oberlichter schaffen eine helle, freundliche Atmosphäre, die den Aufenthalt angenehm macht.
- Materialwahl: Er kombiniert robuste, feuchtigkeitsbeständige Oberflächen mit warmen Akzenten, die Wohlgefühl erzeugen.
- Nachhaltigkeit: Moderne Energietechnik reduziert den hohen Verbrauch von Hallenbädern spürbar.
- Denkmalpflege: Historische Elemente werden nicht nur erhalten, sondern bewusst in Szene gesetzt.
- Barrierefreiheit und Inklusion: Die Bäder sind für Familien, Senioren und Menschen mit Behinderungen gleichermaßen nutzbar.
- Akustik und Raumklima: Durchdachte Planung minimiert Hall und sorgt für angenehme Temperaturen.
- Emotionale Gestaltung: Die Räume laden zum Verweilen ein – sie fühlen sich wie Oasen an.
Diese Faktoren machen seine Bäder zu Orten, an denen Menschen gerne länger bleiben als nur für die vorgeschriebenen Bahnen.
Herausforderungen im Bäderbau
Der Bau und die Sanierung von Schwimmbädern gehören zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Architektur. Hohe Luftfeuchtigkeit führt zu Korrosion, Technik muss zuverlässig und wartungsfreundlich sein, und öffentliche Bauherren kämpfen oft mit knappen Budgets. Hinzu kommen Denkmalschutzauflagen und die Erwartungen der Nutzer, die heute mehr Komfort wollen als früher.
Andreas Veauthier spricht offen über diese Hürden. Er plädiert dafür, Sanierungsstau nicht zu ignorieren, sondern gezielt zu bekämpfen. Nur mit ausreichender öffentlicher Finanzierung könne man qualitativ hochwertige Bäder erhalten. Seine Projekte beweisen, dass sich Investitionen lohnen – sowohl für die Nutzer als auch für die Stadt.
Warum öffentliche Bäder heute wichtiger sind denn je
In Zeiten von Digitalisierung und Vereinsamung gewinnen gemeinschaftliche Orte an Bedeutung. Schwimmbäder fördern Gesundheit, Integration und sozialen Zusammenhalt. Kinder lernen schwimmen, Senioren halten sich fit, und Familien verbringen entspannte Stunden zusammen.
Andreas Veauthier versteht diese gesellschaftliche Rolle. Seine Architektur trägt dazu bei, dass Bäder nicht nur erhalten bleiben, sondern zu lebendigen Treffpunkten werden. In einer wärmer werdenden Welt bieten sie zudem kühle Rückzugsorte und tragen zur Klimawandel-Anpassung bei.
Die Zukunft der Bäder mit Veauthier
Andreas Veauthier hat gezeigt, dass man aus vermeintlich schwierigen Bauaufgaben etwas Besonderes schaffen kann. Seine Arbeit verbindet Tradition mit Moderne und Funktionalität mit Emotion.
Wer eines seiner Bäder besucht, spürt sofort den Unterschied. Es sind keine anonymen Sportanlagen mehr, sondern echte Wohlfühloasen – Orte, an denen der Alltag für eine Weile vergessen ist.
Vielleicht ist es genau diese Haltung, die Andreas Veauthier auszeichnet: Er sieht in jedem alten Bad nicht nur den Sanierungsbedarf, sondern die Chance, etwas Bleibendes und Schönes für die Menschen zu schaffen. In einer Zeit, in der viele öffentliche Gebäude nur noch verwaltet werden, gestaltet er sie mit Leidenschaft neu.
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Interviews, Projektbeschreibungen und Fachberichten zu den Arbeiten von Andreas Veauthier. Er zeigt einen Architekten, der mit ruhiger Beharrlichkeit einen wichtigen Beitrag zur Berliner und deutschen Baukultur leistet.
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FAQs
Wer ist Andreas Veauthier?
Andreas Veauthier, geboren 1965 in Saarbrücken, ist ein Berliner Architekt BDA mit Studium an der TU Berlin und in Paris. Nach Stationen bei namhaften Büros gründete er 1998 sein eigenes Büro und spezialisierte sich später stark auf die Sanierung und den Neubau öffentlicher Schwimmbäder. Er verbindet denkmalpflegerisches Feingefühl mit moderner, nutzerfreundlicher Gestaltung.
Welche Projekte hat Andreas Veauthier realisiert?
Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Sanierung der Schwimmhalle Finckensteinallee, das Stadtbad Neukölln, das Stadtbad Kreuzberg (Baerwaldbad), die Schwimmhalle Thomas-Mann-Straße, die Schwimmhalle Hüttenweg und die Schwimmhalle Fischerinsel sowie das Hallenbad Niestetal. In allen Projekten steht die Verwandlung funktionaler Bäder in einladende Orte im Mittelpunkt.
Was macht die Bäder von Andreas Veauthier besonders?
Veauthier schafft durch intelligente Lichtführung, warme Materialien und sorgfältige Akustik eine behagliche Atmosphäre. Er erhält historische Elemente, integriert moderne Energie- und Techniklösungen und macht die Bäder barrierefrei und für alle Generationen nutzbar – echte Wohlfühloasen statt reiner Sportanlagen.
Warum ist die Sanierung alter Schwimmbäder so wichtig?
Viele Hallenbäder aus den 1930er- bis 1970er-Jahren sind technisch veraltet und verbrauchen viel Energie. Ihre Sanierung spart Kosten langfristig, bewahrt Baukultur und bietet der Gesellschaft wichtige Orte für Gesundheit, Integration und Erholung. Veauthier plädiert deshalb für eine starke öffentliche Hand bei diesen Projekten.
Kann man die Bäder von Andreas Veauthier besichtigen?
Ja, die meisten seiner realisierten Projekte sind öffentliche Bäder in Berlin und Umgebung und für jedermann zugänglich. Besonders die Schwimmhalle Finckensteinallee lohnt einen Besuch – sie zeigt eindrucksvoll, wie sensible Sanierung Geschichte und Gegenwart verbindet.




